Jahresgruss 2020

Liebe Wegbegleiter und Freunde!

Ich hab mich in der letzten Zeit vorwiegend über die Jahresrückblicke geärgert. Alles nur negativ. Da hab ich so in mich reingehört und kann das Gefühl so nicht teilen. Bei all dem zugegebenermaßen, für meine Generation nie vorstellbaren Ein- und Beschränkungen dieses Jahr, über die ich jetzt nicht schimpfen möchte, fühle ich in meinem Herzen eine große DANKBARKEIT!

In meinem persönlichen Jahresrückblick habe ich gerade durch diese Zeit viel Gutes wahrnehmen können.

Das wertvollste ist die Stille. Keine lärmende Autobahn beim Reiten, keine verirrten LKW’s im Dorf, keine autofahrenden Mütter mehr, die im 2 Std. Takt ihre Kinder zum bespaßen hin und her fahren.

Mal wieder dankbar sein, für ein „miteinander wieder ins Gespräch kommen“ am Gartenzaun, mit Nachbarn, die sonst auch nicht zu sehen sind…

Plötzlich konnte ich nachts wieder durchschlafen, weil das Gedankenkarussel eingesehen hat, dass es nachts nichts mehr zu organisieren gibt…

Dankbar festzustellen, wie sehr ich meinen Beruf liebe. Wie mir die erleichterten Pferde- und Menschengesichter bei den physiotherapeutischen Behandlungen fehlen. Wie gerne ich Reitern mit ihren Pferden weiterhelfe. Was wir für Gastgeber aus vollem Herzen sind, die die Menschen um uns herum, jetzt so sehr vermissen…

Dankbar darüber, seit über 30 Jahren mit einem verständigen und hilfsbereiten Mann verheiratet zu sein. Der mich hält, den Rücken stärkt, unterstützt und wieder auffängt.

Dankbar bin ich, mit meinen Pferden durchs Jahr zu streifen. Sie geben mir Halt und dem Tag Struktur. Sie stecken mich an mit ihrer inneren Ruhe und Gelassenheit. Sie wissen nichts von dem, was uns beschäftigt. Sie leben nur im hier und jetzt und das versuchen wir, so schön wie möglich zu gestalten. Damit blieb und bleibt auch uns wenig Zeit für verschwendendes „Außen“. Ich war noch nie die „Shoppingqueen“, der Stadionbesucher oder Kinogänger, drum vermisse ich das auch nicht.

Was ist gutes Leben? Für mich das eingebettet sein in die Natur. Vom Hof aus ins Freie gehen zu können und die bei uns immer noch fast menschenleere Natur zu genießen.
Das konnte ich vertiefen, bei einer einwöchigen Ausbildung zur Kursleiterin Waldbaden und Waldtherapie in Baden-Baden. Als „Geschäftsreisende“ war das erlaubt, und ich habe es als Privileg genossen über eine leere Autobahn zu fegen. Ich bin ja eigentlich gar keine, die durch den „Wald schlendert“. Ich renne eigentlich im Fitnessgedanken durch die Gegend, um mich, den Hund und am besten noch ein Pferd am Strick zu bewegen… Vielleicht auch gerade deshalb so eine große Erkenntnis. Sich zu erlauben, einfach so durch den Wald zu schlendern, das Moos zu riechen, Bäume anders zu sehen, „viel zu viel“ Zeit für einen km Strecke zu brauchen… Sich frei machen von dem Druck, etwas besonders gut zu machen. Nur den Moment geniessen. Kraft tanken, Seele erfrischen, Herz weit öffnen, Geist auf Empfang stellen.
Ich bin dankbar dafür, diese Ausbilderin gefunden zu haben und meinem Bauchgefühl, was jetzt „dran ist“ gefolgt zu sein.

Animiert durch die vielen „Status-Bilder“ der Freunde sind wir dann doch noch im Juli mit den Pferden nach Holland ans Meer gefahren. Verbunden mit ein paar Tagen davor und danach in der stillen Eifel konnten wir andere Gegenden und Landschaften erkunden und hatten es schön. Vielleicht auch deshalb, weil es was Besonderes war, doch den Mut zu haben und wegzufahren. Zu zweit in einem Ferienhaus war für uns absolut verantwortlich.

Dankbar bin ich den Menschen, die trotzdem mit ihren Pferden zu uns geritten sind und uns schöne Begegnungen bescherten. Ich hatte mit niemandem ein komisches Gefühl am Tisch zu sitzen. Wir brauchen Menschlichkeit, Zuwendung, Berührung, Nähe und Austausch. Ich will keine Begegnungen die aussagen: der Mensch ist dem Menschen Wolf. Für mich geht es nur im Vertrauen und im Mitgefühl und natürlich dem Glauben an das Gute. Denn unsere Gedanken sind noch frei. Ich versuche sie ins Positive zu lenken und nicht verdrießlich zu werden. Dann fühlt sich das, mit dem man nicht einverstanden ist, entlastender an.
Lasst uns mutig in dieses neue Jahr gehen. Einen neuen Weg einschlagen. Mit im Gepäck das Positive, das wir in 2020 gelernt haben. Das fühlt sich gut an, mit jedem Schritt mehr und bewusster. Lasst uns nicht in Opferhaltung und Angst verharren, das kostet Energie und nimmt die Lebensfreude.
Ich nehme mit: das Geschenk der Dankbarkeit, Gelassenheit und gesundem Durchhaltevermögen.
Wir freuen uns auf jede Begegnung mit euch und danken euch dafür.
In diesem Sinne,
bleibt gesund bis zum Wiedersehen,

Petra und Peter Stegmüller
info@pferde-unser-leben.de