Wanderreiterstützpunkt Stegmüller Weihnachten 2011
Liebe Freunde und Gäste unseres Hauses!
Wir haben fast vergessen,
was für eine seltsame Sache das ist,
dass ein Tier, so groß,
so kraftvoll und so intelligent wie das Pferd
einem anderen, weit schwächerem Wesen erlaubt,
auf seinem Rücken zu reiten. (Peter Grey)
Diese Zeilen werden wohl, je nach persönlichem Ausgangspunkt unterschiedlich gelesen. Für viele gibt es uneingeschränktes Glück auf dem Rücken der Pferde. Doch manche haben ein Pferd im Stall, das wenig Rückendeckung gibt. Oder es ist gar nicht das Pferd, sondern veränderte Lebensumstände die das Gehirn Karussell fahren lässt. Gründe gab es genug, die Verena Eckert aus München bei den Kursen Glücklich reiten - Angst besiegen aufspürte und gekonnt moderierte. Sich verstanden fühlen, offen in einer Gruppe dieses Tabuthema ansprechen zu können, gemeinsam zu reiten und wissen, jeder hat jetzt ein ähnliches Gefühl, das brachte eine große Verbundenheit in der Gruppe. Und meine Pferde spielten auch brav mit und gaben verlorenes Vertrauen wieder zurück. Am Ende der Kurse hatten alle Rückenwind. Einen Antreiber, einen Schwung von hinten, keine dauerhafte Gehhilfe, mehr einen liebenswerten Gehilfen. Das brauchen wir alle. Nur so gelingen uns diese Quantensprünge nach vorne. Über das Cavaletti, mitten ins Leben, rein ins Vertrauen, ohne Panzer und Schmerzen. Zurück bleiben die, die sich mit ihren Ausreden und Selbstflüchten mit dem Wind drehen.
Wie wichtig uns der Rücken ist, zeigen auch die Verkaufszahlen der Rückenprotektoren. Unseren Rücken geschützt zu wissen, beruhigt uns, stabilisiert uns, hilft uns, dass uns niemand in den Rücken fällt. Der Rücken als Angriffsfläche für Feiglinge, die Liebe, die den Rücken frei hält. Der Rücken lebt Vertrauen. Man vertraut darauf, dass hinter unserem Rücken nicht schlecht geredet wird. Darauf, dass uns das Leben den Rücken stärkt. Dabei hat jeder eine besondere Begabung, den Verstand und/oder das Gefühl für seine persönliche Rückendeckung. Dabei drücken unsere Körpersprache, unsere Haltung, unsere Worte viel von diesem Vertrauen aus - durchaus auch lesbar für die Pferde! Den Rücken stärken ist u.a. mein großes Anliegen bei diesem Kurs im Sommer. Denn der Pferderücken hat durchaus so seine Stabilitätsprobleme. Das Pferd lebt auch in dem Vertrauen, dass ihm nichts "in den Rücken fallen" möge. Sie sehen nicht, was hinter ihrem Rücken passiert, oft genug werden sie von hinten attackiert.
Wir hatten heuer rund 150 Wanderreitpferde zu Gast. Gut vorbereitete Reiter hatten auch solide trainierte Pferde. Reiter, die sich selbst überschätzen, tun das auch bei ihren Pferden. Nicht jeder Pferderücken war wirklich tragfähig. "Trageerschöpfung" nennt man das in Fachkreisen, wenn die Vorhand massiv überlastet ist, weil der Rücken als Bewegungszentrale ausfällt. Und trotzdem krabbeln diese sanftmütigen Tiere am nächsten Morgen wieder aus den Boxen, um den Spaß ihrer Reiter zu er-tragen. Es freut und motiviert mich sehr, heuer wieder so manch unbedachten "Freizeit-Cowboy" zum Umdenken gebracht zu haben und auf einen pferdefreundlicheren Weg. Auch wenn er beschwerlich und weniger cool ist, doch wenn dann aus müden Pferdeaugen wieder der Schalk blitzt, hat sich der Umweg gelohnt. Wer an dem Hobby Pferd Spaß haben will - und zwar für beide Seiten - tut gut daran, unsere vielfältigen Kurse zu besuchen. Das Trainingskonzept gibt mir Recht, denn in den Jahren sind ganz tolle Pferd - Reiterpaare daraus hervor gegangen. Ein von der Basis her geschultes Pferd mit passender Ausrüstung schreitet im Wohlfühlmodus. Gut vorbereitetes Wanderreiten ist stressfrei und schützt vor Überlastungen (dies ist auch das Konzept von: stationenhopping.de ). Die Arbeitsweise und Raffinessen seines GPS-Gerätes bereits vor dem ersten Einsatz zu verstehen, eröffnet Horizonte. Ich glaube, die große Bandbreite rund ums Pferd macht auch seine Begeisterung aus und die Freude am Weiterkommen und dazu lernen. Wie scheinbar einfach leben sich doch die "Belehrungsresistenten" und Ignoranten.
Bei uns im Hause herrscht jetzt winterliche Stille. Ruhe, geräuschlos, kein Vordergrund, kein Hintergrund, kein Aufdrängen, kein unterhalten werden und wollen, kein hmmm und kein na ja. Wir können in dieser Stille auftanken, nichts stört unseren Geist. Denn erst wenn es in uns drinnen leise und geräuschlos wird, finden wir wieder Worte für draußen. Es ist still. Ich höre den Hund tief atmen, die Katze wohlig schnurren, das Feuer warm knistern.
Wir wünschen euch auch von Herzen stille Eindrücke, die euch die Worte rauben, die faszinieren statt zu kommunizieren, die ihr tief in euch tragt und spürt. Die eure Ohren schonen und eure Augen öffnen. Und einen schwingenden Pferderücken, der euch lustvoll durch den Winterwald stoben lässt.
Wir bedanken uns bei allen, die zu uns gefunden haben und unsere Tage bereichert haben. Wir bedanken uns bei allen, die uns auf unterschiedliche Art den Rücken stärken - es ist wichtig, dass es euch gibt!
Und wir freuen uns auf ein Wiedersehen, wenn es wieder "nauswärts" geht und wir wieder in anregenden Dialog mit euch treten können.
Fröhliche Weihnachtstage und von allem das Beste für das nächste Jahr wünschen euch:
