Rückblick 2017

Liebe Freunde und Gäste des Hauses,

pünktlich zum ersten Advent legte sich bei uns ein weißer Schneemantel über die Fluren und verzauberte die Landschaft. Es ist jedes Jahr eine Freude. Ob Mensch, Pferd oder Hund, alle hüpfen und lachen zwischen den Flocken.

Es ist der Moment, wo ich das lästige Hufschuhsuchen vergesse und mich erst kürzlich daran erinnerte, wie wir bei dem Wetter noch vor 5 Jahren Angst hatten, die Pferde fallen am Paddock schon über ihre aufgestollten Stöckelschuhe. Von den Eisklumpen beim reiten ganz zu schweigen. Oder die Überlegung: Schneegrips jetzt schon rein oder erst beim nächsten Beschlag.

Ich hoffe, ihr seid alle gesund und munter durch das Jahr gekommen? Viele von euch haben wir ja persönlich bei uns begrüßt. Wir freuen uns über jeden Einzelnen, egal ob Stammgast, Neuling oder „Wiederauferstandener“. Es ist schön, mit euch in Verbindung zu sein.

Unsere Pferde haben den letzten Winter nicht so gut weggesteckt. Als es mir bewusst wurde, war es schon zu spät. Ich habe zur Ursachenfindung viel Geld ausgegeben: Blutanalysen, Kotproben, Pferdezahnarzt, Selen, Zink und Gladiator. Es waren aber weder die Zähne noch Würmer – es war einfach das zu spät geschnittene Heu. Im Juliheu finden Vollblüter einfach zu wenig Energievorräte. Als die Weidezeit losging, war auch in drei Wochen wieder alles so schön wie sonst.

Bei der Blutprobe bekam ich auch Lerrys Diagnose ECS. Stoffwechselendlage war mir bewusst- aber ein Cushingpferd wollte ich nicht. Nun gut, wir haben uns informiert und beraten und mit hochdosiertem Mineralfutter und einem Mönchspfefferpräparat konnten wir eine verblüffende Verbesserung feststellen. In diesem Rahmen habe ich mit ihm die Equikinetic begonnen. Es ist ewig schade, dass ich keine vorher-nachher Bilder gemacht habe. Ich habe auch nicht mit dieser Wirkung gerechnet. So lernt man dazu- leider ja immer durch die Lehrmeister, unsere Pferde und ihre Besonderheiten.

Unsere Saison begann Mitte März mit dem beliebten Kappzaumtraining. Strahlender Sonnenschein begleitete uns hier, wie auch bei den weiteren Angeboten, wofür ich als Freilandtrainer sehr dankbar bin.

Als die Mücken uns ruhigere Tage bescherten, fuhr ich wieder ein paar Tage zu Tanja Richter vom IPP und lernte was über die Manuellen Therapiemöglichkeiten an den Vordergliedmaßen. Sehr interessante Griffe und Zusammenhänge wurden geschult. Die Heimfahrt verband ich mit ein paar Kundenbesuchen, wo ich das Erlernte gleich ausprobieren konnte. Ich habe so eine Freude damit!

Pferde-Physiotherapie, externe Kurse und Wanderritte führen mich durch so schöne Landstriche in Süddeutschland. Es ist immer wieder erstaunlich, welch idyllische und auch unberührte Ecken unser Land hat. Es liegt an uns und unserem Bewusstsein diese zu erkennen UND zu erhalten.

Gut entwickelt hat sich mein Bemühen um die Reitbegleithundeausbildung in der VFD. Ich habe sogar Telefonkonferenzen gelernt UND auch schätzen gelernt. Doch wirklich schön war dann das persönliche Kennen lernen des Arbeitskreises. Wir haben wirklich was auf die Beine gestellt und werden das nächstes Jahr auch durchführen. Irgendwie hat mich eine Dame im Internet gefunden und ich wurde eingeladen, diese Ausbildung im Rahmen der Consumenta in Nürnberg vor zu stellen. Ich hatte mit Heike und Leni zwei erfahrene Reiter mit guten Hunden, die mir das erzählen leicht machten. Wir waren allesamt zufrieden.

Etwas nachdenklich stimmte mich doch zeitgleich die Sportreiterszene in Halle 11. Faszination Pferd ist der Slogan – ja wirklich, es ist faszinierend was Pferde über sich ergehen lassen. Egal ob im nächtlichen Showprogramm oder in den laufenden Prüfungen. Schäumende, schwitzende, pumpende Pferde mit aufgerissenen Augen oder bereits resigniertem Blick. Sportgeräte, deren Lebensinhalt aus Reithalle, Turnierplatz und Pferdebox besteht! Dafür gibt es und wird es nie eine Rechtfertigung geben!!

In den sozialen Netzwerken gipfelte es für mich über, als die angebliche Dressurqueen IW in einem Interview von Partnerschaft und Demut spricht. Es folgen Videos wie sie in Demut ihren Partner Pferd am Abreiteplatz in Rollkur quält, um Stunden später strahlend und mit Tränen am Siegerpodest zu stehen.

Wie kann man in Demut seinen Partner quälen? Vielleicht habe ich ein falsches Verständnis zu Demut. Ich hinterfrage den Begriff. De und Mut müsste ja: nicht mutig heißen. Aber muss man nicht mutig sein, wenn man von Demut spricht? Man findet auch Hochmut bzw. Arroganz als Gegenpol zur Demut. Das passt für mich besser.

Ich finde ein Zitat von Kurt Albrecht:

„Als wichtige Charaktereigenschaft sollte jeder Reiter über ein Quentchen Demut verfügen, das ihn befähigt, im richtigen Augenblick auch einmal von seinem menschlichen Podest herabzusteigen und in das Pferd hineinzuhorchen. Wer sich dagegen jede Frage selbst beantworten kann, wird für jedes Nichtgelingen eine in seinen Rahmen passende Erklärung parat haben.“

Jeder der schon ein junges Pferd ausgebildet hat, lernte dabei, dass man nichts als selbstverständlich annehmen kann. Und wer glaubt, dass er schon viel weiß, wird zu einem Pferd kommen, das ihn lehrt sich zu bescheiden und einfach mal zurückzunehmen. Das System 0-8-15 passt hier vielleicht nicht, man muss die bisherige Ausbildung innerlich loslassen und reflektieren. Der Blick auf sich selbst ist unbequem und tut oftmals weh.

Und da gehört schon eine Menge Mut dazu, sich in Demut zu üben.

Jedes neue Gedankengut (das kann auch ruhig ein „Altes“ sein, da muss kein neuer Guru her.) bietet Chancen. Man wird dabei Fehler machen und das darf auch so sein. Wichtig ist nur, dass man das Getane überdenkt. Nichts zu tun, sich nicht zu trauen, die Schuld woanders zu suchen (Kindheitstrauma als Fohlen, Krankheiten die da sein könnten oder hoffentlich bald kommen, fehlende Infrastruktur, Knechtschaft des Reitersitzes) ist aber auch keine Lösung. Bei einem Lebewesen wie dem Pferd, das konsequente Führung braucht, wird ein „Nichtangriffspakt“ zu neuen Konflikten führen. Das Pferd spürt, wenn man sich „verstellt“ oder nicht in sich selbst ruht. Präsenz ist in dem Zusammenhang auch ein mächtiges Wort. Da muss man als Besitzer schon mal seine Komfortzone verlassen oder sich eben eine kompetente Hilfe suchen.

Da die Pferde bekanntlich im Hier und Jetzt leben, sind sie meist auch nicht nachtragend. Sie nehmen jede Verbesserung ihrer Situation dankbar an. Es ist also selten zu spät, sich für Umwege zu entscheiden.

Diese Gedanken finde ich in folgendem Zitat von Nuno Oliveira schön zusammengefasst:

„Ein so kostbares Wesen wie das Pferd verdient, dass jeder, der es reitet, sein Wesen und seine Fähigkeiten erfasst. Reiten ist eine Schule von Verzicht und Demut. Unter guter Anleitung führt ihre Praxis zu einer höheren Stufe des Menschseins.“

Reiten heißt demnach nicht, vor Publikum nach Erfolgen zu haschen.

Reiten ist für mich der Dialog mit dem Pferd in der Abgeschiedenheit, die Bemühung um gegenseitiges sich Verstehen (die Frage nach dem „Warum“) und um Verbesserung.

Ich muss Verantwortung und Sorgfalt übernehmen, im Natur- und Tierschutz.

Wissen, positives Denken und Respekt gegenüber dem Partner Pferd sind die Schlüsselwörter dazu. Damit wäre allen geholfen. Vor allem den Pferden.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen, ein 2018 in dem Entspannung und Wohlbefinden beim und mit dem Pferd immer mehr Raum haben.