Hofgeschichten 2010 – 2012

Rückblende 2012

Pferde: Einem jeden, der sie reitet,
naht sein GLÜCKSSTERN sich im Raum.
Leid verweht – das Leben gleitet,
leicht dahin – ein schöner Traum.
(Pall Olafsson)

In Vielem sind wir dieses Jahr ein Stück weitergekommen. Meine Reitkurse sprechen sich scheinbar rum und finden auch extern viel Anklang. Ich bekam viele verschiedene Pferde zwischen meine Finger und konnte ihnen mit Physiotherapie weiterhelfen. Was für ein Geschenk in meinen Händen! Die entspannten Pferdegesichter sind mein ganzes Glück. Mit dem Stationenhopping Angebot können wir immer noch viele begeisterte Wanderreiter begrüßen und wertvolle Gespräche bis in die Nacht führen. Wie es den Leuten so gefallen hat, lässt sich ja unter der Rubrik Berichte nachlesen.

Ein herzliches Danke an alle, die zu uns kommen. Danke an Alle, die mir ihre Pferde bringen und damit ihr Vertrauen aussprechen. Danke an Alle, die ehrliche Worte finden und zum Nachdenken anregen. Danke an die Pferde, durch die wir menschlich so viel weiter kommen.

Bedanken möchte ich mich im Besonderen bei Karin Wimmer. Sie ist überzeugte Huforthopädin bei Hof und hat mich durch ihr vertrauensvolles Engagement auf einen neuen Weg geführt. Seit 35 Jahren lasse ich meine Pferde aus Überzeugung beschlagen. Ich konnte dabei nichts Schlechtes empfinden. Im Gegenteil, ich belächelte die überzeugten Barhufler, die halt nicht soviel reiten, dass die Pferde Eisen brauchen. Natürlich gab es auch das eine oder andere Barhufpferd, dem von den Hufen bis zum Rücken alles weh tat und die damit diese Ansicht unterstützten. Ich will jetzt keinen Roman schreiben. Leute, es hat sich da was getan, eine wirklich fachkundige Entwicklung. Unser Lerry ist ein Jahr ausgefallen, weil ihm durch falschen Beschlag schiefe Gelenkspalten hingezüchtet wurden. Nun hat er ein Jahr barhuf hinter sich. Der deformierte Huf sieht jetzt vollkommen anders aus als mit Eisen, das Horn ist gesund und: das Pferd auch wieder. Da er eine dünne Sohle hat, läuft er längere Strecken jetzt mit Schuhen. Das geht ohne Probleme. Ich habe nun schon viele Reiter davon überzeugt und in Thomas Lau einen DHG-Experten in meiner Nähe.

Besonders Pferde mit Schulterproblemen, festem Rücken oder gebundenen Gang haben ganz tief durchgeschnauft, als die Eisen unten waren. Aber bitte nicht nur Eisen runter, sondern ein Huforthopäde muss her! Ein Nur-Schmied kann das nicht, der denkt an rund und schön, doch Hufbalance ist viel mehr. Zugegeben, nicht fachkundige Gastgeber unterwegs schauen schon etwas mitleidig, wenn beim Ausladen der Sättel auch noch Schuhe mit dabei sind. Aber das ist doch nur ein Pferd, was braucht das Schuhe? Was für den einen nur ein Pferd ist, war für Isenbart ein Königreich wert: Ein Pferd, ein Pferd, ein Königreich für ein Pferd.

In meinem kleinen Königreich Pferde-unser-Leben freu ich mich immer, Euch als Gast begrüßen zu dürfen. Das viele Geld, die viele Zeit, die langen Wege, die sorgenvollen Gedanken – alles nur für die Pferde. Viele von euch kennen diese Sätze bestimmt auch aus der Familie. Ist Totilas auch nur ein Pferd? Was bitte macht nur ein Freizeitpferd aus? Ist ein altes Pferd für uns nur ein Pferd? Was ist mit all den gemeinsamen Erinnerungen und Erfahrungen? Sind das noch Pferde, die im Pudel-Look kleinkariert eingedeckt hinter Gitter stehen? Oder in Lammfell verhüllt geritten und dann mit Bananen vollgestopft werden, als wenn sie demnächst von Baum zu Baum springen müssten? Nur ein Pferd kann uns den Spiegel vorhalten! Ist der geduldige Braune wirklich nur ein Pferd, wenn er in der Hippotherapie einen Behinderten zum Strahlen bringt? Haben wir im Herbst nur über ein Pferd geweint und getrauert? Nur ein Pferd hat mich heut durch den Winterwald fliegen lassen, ich durfte tiefstes Vertrauen und pure Lebensfreude spüren. Sie lassen uns die Gegenwart genießen, weil sie unsere Gedanken ablenken. Der Kopf hört auf, sich im Kreis zu drehen.

Rückblende 2011

Wir haben fast vergessen,
was für eine seltsame Sache das ist,
dass ein Tier, so groß,
so kraftvoll und so intelligent wie das Pferd
einem anderen, weit schwächerem Wesen erlaubt,
auf seinem Rücken zu reiten. (Peter Grey)

Diese Zeilen werden wohl, je nach persönlichem Ausgangspunkt unterschiedlich gelesen. Für viele gibt es uneingeschränktes Glück auf dem Rücken der Pferde. Doch manche haben ein Pferd im Stall, das wenig Rückendeckung gibt.
Oder es ist gar nicht das Pferd, sondern veränderte Lebensumstände die das Gehirn Karussell fahren lässt. Gründe gab es genug, die Verena Eckert aus München bei den Kursen Glücklich reiten – Angst besiegen aufspürte und gekonnt moderierte. Sich verstanden fühlen, offen in einer Gruppe dieses Tabuthema ansprechen zu können, gemeinsam zu reiten und wissen, jeder hat jetzt ein ähnliches Gefühl, das brachte eine große Verbundenheit in der Gruppe. Und meine Pferde spielten auch brav mit und gaben verlorenes Vertrauen wieder zurück. Am Ende der Kurse hatten alle Rückenwind. Einen Antreiber, einen Schwung von hinten, keine dauerhafte Gehhilfe, mehr einen liebenswerten Gehilfen. Das brauchen wir alle. Nur so gelingen uns diese Quantensprünge nach vorne. Über das Cavaletti, mitten ins Leben, rein ins Vertrauen, ohne Panzer und Schmerzen.
Zurück bleiben die, die sich mit ihren Ausreden und Selbstflüchten mit dem Wind drehen.

Wie wichtig uns der Rücken ist, zeigen auch die Verkaufszahlen der Rückenprotektoren. Unseren Rücken geschätzt zu wissen, beruhigt uns, stabilisiert uns, hilft uns, dass uns niemand in den Rücken fällt. Der Rücken als Angriffsfläche für Feiglinge, die Liebe, die den Rücken frei hält. Der Rücken lebt Vertrauen.
Man vertraut darauf, dass hinter unserem Rücken nicht schlecht geredet wird. Darauf, dass uns das Leben den Rücken stärkt. Dabei hat jeder eine besondere Begabung, den Verstand und/oder das Gefühl für seine persönliche Rückendeckung. Dabei drücken unsere Körpersprache, unsere Haltung, unsere Worte viel von diesem Vertrauen aus – durchaus auch lesbar für die Pferde! Den Rücken stärken ist u.a. mein großes Anliegen bei diesem Kurs im Sommer. Denn der Pferderücken hat durchaus so seine Stabilitätsprobleme. Das Pferd lebt auch in dem Vertrauen, dass ihm nichts in den Rücken fallen möge. Sie sehen nicht, was hinter ihrem Rücken passiert, oft genug werden sie von hinten attackiert.

Wir hatten heuer rund 150 Wanderreitpferde zu Gast. Gut vorbereitete Reiter hatten auch solide trainierte Pferde. Reiter, die sich selbst überschätzen, tun das auch bei ihren Pferden. Nicht jeder Pferderücken war wirklich tragfähig. Trageerschöpfung nennt man das in Fachkreisen, wenn die Vorhand massiv überlastet ist, weil der Rücken als Bewegungszentrale ausfällt. Und trotzdem krabbeln diese sanftmütigen Tiere am nächsten Morgen wieder aus den Boxen, um den Spaß ihrer Reiter zu er-tragen. Es freut und motiviert mich sehr, heuer wieder so manch unbedachten Freizeit-Cowboy zum Umdenken gebracht zu haben und auf einen pferdefreundlicheren Weg. Auch wenn er beschwerlich und weniger cool ist, doch wenn dann aus müden Pferdeaugen wieder der Schalk blitzt, hat sich der Umweg gelohnt.

Wer an dem Hobby Pferd Spaß haben will – und zwar für beide Seiten – tut gut daran, unsere vielfältigen Kurse zu besuchen. Das Trainingskonzept gibt mir Recht, denn in den Jahren sind ganz tolle Pferd – Reiterpaare daraus hervor gegangen. Ein von der Basis her geschultes Pferd mit passender Ausrüstung schreitet im Wohlfühlmodus. Gut vorbereitetes Wanderreiten ist stressfrei und schätzt vor Überlastungen (dies ist auch das Konzept von: www.stationenhopping.de). Die Arbeitsweise und Raffinessen seines GPS-Gerätes bereits vor dem ersten Einsatz zu verstehen, eröffnet Horizonte. Ich glaube, die große Bandbreite rund ums Pferd macht auch seine Begeisterung aus und die Freude am Weiterkommen und dazu lernen. Dazu lade ich euch auch in 2012 herzlich ein.

Anerkennung als VFD-Übungsleiter − März 2011

Mitte März fuhr ich nach Hofstarring zu Heiner Sauters Glück auf Hof.

In einem Fachgespräch wurden meine Einstellung und mein Wissen überprüft. Danach stellte sich Verena dem Fremdreitertest bei einer Reitstunde auf Bärbels netten Haflinger. Der Reitplatz stand noch ziemlich unter Wasser und engte damit unsere Möglichkeiten etwas ein, aber ich denke, meine Ideen kamen gut rüber. Wir ließen uns jedenfalls Verenas köstlichen Gut-gemacht-Kuchen danach schmecken.

Nun ist unser jahrelanges Hin und Her mit FN und VFD Ausbildung zumindest auf dieser Ebene schon mal geglättet. Es wäre schön, wenn es auch bundesweit klappen könnte. Nun fehlen mir noch Assistenzen, doch dazu hatte ich bisher keine Gelegenheit.

Ich freue mich darauf, im nächsten Jahr Kurse zum Geländereiter anbieten zu können. Heuer hatte ich auch schon erste VFD-ÜL da, die ihr Praktikum leisteten. Es sind durchwegs engagierte Leute, die aber halt noch Erfahrung sammeln müssen, so wie jeder, der was Neues macht. Manche Themen in der ÜL-Ausbildung hätte ich gerne anders gewichtet, andererseits muss sich jeder selber fortbilden und dazu hat man ja ein Leben lang Zeit.

Das Hoch Nicole

Mit dem Glücklich Reiten Kurs zog das Hoch Nicole über Deutschland und ganz speziell nach Kühnhardt. Es brachte zwar viel Trockenheit mit sich, aber auch Freuden. Getarnt als Praktikantin zog Nicole bei uns ein, mit ihrem Wuschelhund Finja und dem klapperdürren Trakehner Viento. Nicole war letztes Jahr schon mal eine Woche bei uns auf Station, als sie mit Viento auf der Suche nach dem Sinn des Lebens und dem Zugang zu ihrem schwierigen Pferd von Rottweil nach Würzbug ritt. Ihr Ziel war dort eine Pferdeflüsterin, auf deren Intuition sie hoffte. So konnten wir uns letztes Jahr ungezwungen beschnuppern und fanden uns sehr sympathisch. Wir blieben in losem Telefonkontakt. Wenn, dann telefonierten wir lange und ich versuchte ihre neuen Pferdekenntnisse zu verstehen oder gab ihr eher Anstöße, Meinungen zu hinterfragen. Manchmal ist der Mensch ja schon leidensfähig und kann was aushalten, wenn er auf die Quintessenz hofft. Nach einem Jahr wurde das Pferd immer weniger und die Lust am Reiten war weg, denn man soll das Pferd nur aufhalftern, wenn es auch herschaut…?? Ein Rucken am Halfter ist körperliche Manipulation. Nun, da prallen halt Welten aufeinander. Ich schlug ihr vor, gleich eine Hotline zum Tierschutzverein zu schalten, wenn wir dann mit Kappzaum longieren, anstatt das Pferd um uns rum trödeln zu lassen. Nun sind die 3 schon über 3 Monate hier und haben sich prächtig entwickelt.

Viento haben wir entwurmt, gemästet und gleichzeitig neu gestartet. Er genoss, es eine klare Führung zu bekommen, seinen Körper wieder zu spüren und vor allem seinem frustrierten Fraule wieder zu gefallen und wichtig zu sein. Longe, Bodenarbeit, Spaziergänge, Mitführen als Handpferd und erstes, behutsames Reiten mit Trense statt Knotenhalfter. Ein lachendes Pferd mit grinsender Reiterin − ein lebendiges Lob.

Im Arbeitstausch übergab ich ihr den zigfachen Neustart von Wildling Jaco. Nicole gab sich echt Mühe und hatte mit ihm viel Geduld. Der andere Ansatz in der Arbeit war interessant zu beobachten und Jaco machte schön mit. Gewisse Verhaltensweisen wurden nun anders gewichtet und gedeutet. Auch auf seine Schreckhaftigkeit und Spannigkeit bei bestimmten Berührungen konnte sie echt gut eingehen. Schließlich nahmen wir ihn wieder als Handpferd mit und dann auch zwischendrin mit Reiter. Er fühlt sich jetzt gut an, verkriecht sich nicht mehr und lässt schneller den Stress ab. Bin selbst gespannt wie es weiter geht − leicht ist es nicht… aber er freut sich richtig, dass er wieder dabei ist.

Urlaub

Durch Nicoles Anwesenheit am Hof, konnten wir noch guten Gewissens eine Woche nach Lanzarote fliegen und es uns gut gehen lassen. Ich hatte etwas meine Zweifel, ob mir die schwarze Insel überhaupt gefällt. Aber sie war leicht hellgrün, denn es hatte, anders als bei uns, dort vorher ausgiebig geregnet. Der Reiseführer meinte, die Ziegen und Kamele stehen jetzt alle mit Bauchweh im Stall, denn das grün sind sie in der Menge nicht gewohnt. Verrückte Welt!

Stationenhopping – Frühjahr 2011

Was für ein Zulauf heuer−wie im Taubenschlag. Pferde rein, Pferde raus, Betten wechseln, kochen, wieder ein kurze Nacht mit lustigen Leuten und netten Gesprächen. Was für ein Glück, Nicole unterstützend an meiner Seite zu haben. Ein echt gutes Team! Jetzt ist erst mal Bremsenpause, dann freuen wir uns wieder über nette Reitersleut!

Axel wird 30! – 23.05.2011

Am 23. Mai feierte Peters Bruder Bernhard (50) mit Axel (30) Geburtstag. Achtzig Jahre Erfahrung im Umgang mit Peter. Das ist Grund zum Feiern und Danken! Peter kennt Axel ja seit seiner Geburt und hat mit ihm alles erreicht, was sich ein Freizeitreiter wünscht! Ab unserer Zeit in Kühnhardt hat er einigen Reiterinnen viel Spaß gemacht, auch mal verzweifeln lassen, aber schlussendlich alle für ihr Bemühen durch Kooperation belohnt. Als Chef der Herde hat er vielen Neuzugängen einen guten Onkel gegeben und besticht auch heute noch durch seine ausstrahlende Souveränität. Dabei hat er sich ein gutes Aussehen und entsprechende Gesundheit bewahrt. Ein gewisser Altersbonus in Sachen Sturheit sei ihm zugesprochen. Zu unserer gemeinsamen Zeit fallen mir folgende Zeilen ein:

Unendlich kommen mir die Tage vor, seit denen Du bei uns bist.
Ich hoffe, es werden noch viele unbeschwerte Tage folgen.
Irgendwo in ihrer Mitte sind auch ein paar besonders grüne Sommertage.
Für diese Spanne Zeit Danke ich dir und dem Herrgott der Pferde!

Anerkennung als VFD-Ausbildungsstall − August 2010

Petra mit den drei Prüfern

Wieder einmal macht sich Aufregung bemerkbar an unserem sonst so ruhigen Hof.

Weil wir fanden, dass sich neben der FN-Auszeichnung auch ein VFD-Schild gut machen würde, bewarben wir uns um den Ausbildungsstall-Reiten-VFD. Mit dem zwar kritischen, aber dennoch partnerschaftlich gestimmten Prüfer-Dreigestirn aus Eberhard Reichert, Franziska Schwab und Horst Brindel wurde unser Hof überprüft. Als erstes nutzte ich den plötzlichen Regenstop aus, um zwei Unterrichtsstunden durchzuführen. Meine armen Reitschüler waren derart aufgeregt, dass rechts und links, sowie vorwärts oder rückwärts zur Geduldprobe wurden. Und das, obwohl doch ich geprüft wurde und nicht sie… aber so halfen sie mir unterbewusst, wirklich unterrichten zu können.

Als erstes Thema wählte ich passend das Lösen des Pferdes und danach gymnastizierende Übungen. Zwar galt es zuallererst meine Reiterlein zu lösen, doch mit Trailübungen und kleinen Sprüngen gelang mir dies, ohne dass sie es selbst merkten. Kommentar von Franziska: das ist halt die Realität − so ist es draußen.

Mein abwechslungsreicher und doch anspruchsvoller Unterricht wurde sehr gelobt. Ebenso die Rittigkeit und der Zustand der Pferde. Dann marschierten wir mit Notizblöcken durch die Stallungen, die auf Frosttauglichkeit, artgerechte Gruppen- und Einzelhaltungen durchlöchert wurden. Gerne beantwortete ich die verschiedenen Fragen.

Danach besuchten wir die Pferde auf der Weide. Zufrieden düsten diese in der Weidehütte − nichts ahnend meiner Aufregung. Weidemanagement und Heugewinnung fanden auch hier anerkennende Worte. Rechtzeitig bevor der Himmel wieder seine Wolken öffnete, konnte bei einer gemeinsamen Vesper das Abschlussgespräch stattfinden. Und über das schöne Schild nebst Urkunde habe ich mich wirklich sehr gefreut!

Herzlichen Dank an das Dreigestirn- ihr habt eure Aufgabe wirklich ernst genommen.
Nun hoffe ich, viele VFD’ler auf ihrem Weg mit den Pferden begleiten zu dürfen!

Haende bewegen Pferde − Juli 2010

Das neue Logo

Alle, die mich mental bei meinem Studium zur Pferdephysiotherapeutin begleitet haben schnauften durch, als die Nachricht bestanden durchs Telefon rauschte. Es war eine harte Zeit für alle Beteiligten: Familie, Freunde und Ehemann bekamen mich nur noch sporadisch zu Gesicht, und wenn, dann doch leicht überdreht. Anzurufen hat sich auch keiner mehr getraut, weil die Gespräche sich mit mir eh aufs nötigste beschränkten. Ansonsten brütete ich hinter Büchern, Videos und Ordnern, drückte an meinen und anderen Pferden herum und träumte nachts von Knochenteilen oder Bergen an Muskelfleisch. Zwischendrin verfolgte mich die Panik, irgendwelche Stationenhopping-Wanderreiter vergessen oder vertauscht zu haben, und ich hörte während dem Lernen im Geiste vorbeiziehendes Hufeisengetrappel. Wie einfach hat man es doch als Schüler gehabt. Man musste nur lernen und hatte sonst nichts als seine Freizeit zu organisieren. Ich ziehe jetzt den Hut vor all denjenigen, die berufsbegleitend noch eine Zusatzausbildung machen. Das ist eine nervliche Mehrbelastung, die einen (mitsamt Umfeld) echt fordert.

Meine Mutter kam schließlich noch zum Tippen der Facharbeit mit dem Thema Der Tellington-TTouch bei Pferden zu mir, und so konnte ich das Kapitel auch termingerecht abschließen.

Das Sternritt-WE konnte ich nur an einem Abend genießen, am nächsten Tag war dann die Abschlussprüfung. Da wir durch die Verwirrungen des Besitzerwechsels in der Equinus-Schule nur schlecht auf die Prüfung zum Pferde-Physiotherapeut vor dem Berufsverband vorbereitet wurden, waren die Zweifel und Ängste groß. Umso schöner war es zu wissen, dass all die, die mir vom Sternritt-Abend her gutes Gelingen wünschten, an mich glaubten. Ich fühlte mich auf meinen wackligen Beinen von ihnen getragen.

Die zweitägige Prüfung war extrem schwer und 5 von 12 Teilnehmern rasselten durch. Wir waren derart von dem Ergebnis geschockt, dass wir uns nicht mal über unser Bestehen freuen konnten. Wir standen wie die Trümmerfrauen da.

Bei einem gemeinsamen Peters Geburtstagsfest und bestandener Prüfung feierte ich dann die Eröffnung meiner Praxis Haende bewegen Pferde. Bei so vielen Glückwünschen konnte ich mich dann auch erleichtert freuen.

Nun ist auch das Logo fertig und die ersten Pferde wurden erfolgreich behandelt. Es erfällt mich dabei immer wieder mit Dankbarkeit und Demut, wie einfach man doch die Rittigkeit verbessern kann, wenn man weiß, wo es zwickt. Für mich persönlich und als Trainer war die zweijährige Ausbildung Gold wert. Ich wünsche mir, noch viele Pferde durch meine Hände wieder locker bewegen lassen zu können. Meine Homepage wartet noch auf einen kreativen Anfall von mir. Es fällt mir schwer, mein Konzept aus Physiotherapie und Training in Worte zu fassen. Einfacher ist das in der Praxis. Als mobiler Trainer bin ich nun schon bis München unterwegs, um Kurse zur Pferdemassage zu geben. Dies lässt sich auch gut mit einem Gymnastizierungskurs kombinieren, sowie mit Pferde- und Ausrüstungscheck. Es ist schon erstaunlich, wie sich Pferde bemühen, brav zu gehen, obwohl ein unpassendes Korsett auf dem Rücken die eigentliche Bewegung behindert.

Ihr seht, ein neuer, spannender Weg liegt vor uns…

Hofgeschichten 2006 – 2009

Rückblick 2009

Petra mit Paolo im Schnee

Jetzt ist es doch noch Winter geworden, die weiße Pracht liegt unberührt auf den Feldern, bei zweistelligen Minusgraden schnauben die Pferde durch gefrorene Nüstern, sie stellen die Haare und eine Extra Portion Hafer hilft ihnen, ihre Körpertemperatur zu halten. So wie sich die Temperaturen dem Winter neigen, so wollen auch wir die Zeit zur Einkehr finden und den Fuß vom „Gaspedal“ nehmen. Das war ein ganz schön turbulentes Jahr 2009.
Es war auch ein Jahr des persönlichen Wandels und der

Entwicklungen – und ganz schön knapp bemessen an Freiräumen, die diese Entwicklung auch zulassen können. Immer wieder laufe ich am Bilderrahmen mit Hesses „Stufen“ vorbei: „Wie jede Blüte welkt und jede Jugend dem Alter weicht,
blüht jede Lebensstufe, blüht jede Weisheit auch
und jede Tugend zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern….“

Wie die meisten von Euch wissen, bin ich seit einem Jahr in dem Equinus-Studium zur Pferde-Physiotherapeutin. Es ist eine ziemlich spannende, lehr-, aber auch lernreiche Zeit und findet im Juni 2010 hoffentlich seinen guten Abschluß. Vieles hat sich dabei in mir in Bewegung gesetzt. Ungeahnte Kräfte wurden frei und wenn man mitten drin steckt, hat man das Gefühl von Allem getragen zu werden. Ich übte mich zwischen Mut und Begeisterung, Erfahrung und Identität, aber auch Glück und Ausdauer. Gelassenheit − Gelassenheit habe ich noch zu üben, um Niederlagen und Hochmomente zuzulassen.
Von einer „Krise“ war bei uns heuer nichts zu spüren. Ich konnte meine Begeisterung für Massage-, Bodenarbeits- und Wanderreitkurse an viele Pferdeleute weitergeben und ganz nebenbei von den unterschiedlichen Pferd-Reiter-Kombinationen lernen. Nicht unerwöhnt bleiben darf unser Body-Workout Kurs, der Zwei- und Vierbeiner in wohliges Schwitzen brachte. Liebe Melanie, ich freue mich auf unsere weitere Zusammenarbeit!
Vielen Dank allen, die durch ihr Kommen, meinen Weg festigen!

Petra mit Lerry

Ungeahnt erfolgreich entwickelte sich unsere Idee des Stationenhoppings. Ein „Rundum-Sorglos-Paket“ verpflichtet natürlich auch, und so wurde unser Team in vielen Situationen gefordert. Vom spontan ermöglichten Zahnarztbesuch, dem einfangen von Pferden oder dem Ausarbeiten einer Hoppingstrecke für Kutschfahrer, Allen konnten wir dabei weiterhelfen. Auch den sinnvollen Einsatz des GPS-Gerätes können wir nicht mehr von der Hand weisen. Wir bieten dazu jetzt auch Kurse an, denn viele besitzen so ein „Orakel“ und wissen noch gar nicht, was man damit alles machen kann.
Vielleicht ist das GPS auch ein Grund für die nachlassende Nachfrage zum geführten Wanderreiten. Oder es liegt doch am Geldbeutel, dem Reiz des selber Erlebens oder wie wir schon witzelten, wir haben schon zu viele zu gut ausgebildet?
Wie dem auch sei, wir stellen uns darauf ein und werden an weiteren GPS-Streckentouren arbeiten. Sprecht uns einfach darauf an.
Um den Lehrgang zum FN-Wanderreitführer anbieten zu können, mußte ich meinen Betrieb durch gestrenge FN-Augen überprüfen lassen. Gott war ich aufgeregt, denn der hohe Anspruch des Prüferteams eilte dieser Inspektion voraus. Gestilte Innenboxen contra Offenstall? Konnte das Bestand haben? Wir haben den ganzen Stall aufgeräumt, geschrubbt, gekehrt, Fehler gesucht, alle Spinnen heimatlos gemacht − ich war total genervt.

Anerkennung als FN-Betrieb mit Kater Momo

Doch es hat sich gelohnt! Nicht nur, dass Ordnung schaffen noch keinem Stall geschadet hat. Nein, die Damen waren begeistert − und wir alle erleichtert. Vielen Dank an mein helfendes Sondereinsatzkommando! Jetzt prangt ein tolles Schild vom BRFV am Stall und für nächstes Jahr hab ich auch schon Anfragen zum Wanderreitführer-Lehrgang. Das einzig bremsende daran ist der vorgeschaltete Lehrgang zum Berittführer, doch Birgit Büchner von der Riedmühl-Ranch bietet das ja in Schwaben auch für Westernreiter an.
Unser schönstes Reiterlebnis ist seit nun zwanzig gemeinsamen Jahren im Sattel nicht mehr der deutsche Meisterschaftstitel im Trekkingreiten, sondern: endlose Galoppaden am Nordseestrand bei St.Peter-Ording. Gemeinsam mit Uli und Sabrina und vier Pferden, fuhren wir in den hohen Norden und galoppierten um die Wette, bis auch Lerry irgendwann am losen Zügel durchparierte. Die Luft war so salzig und klar, der Horizont so weit − still − glitzernd, begleitet von lachenden Möwen, prustenden Pferden und unserem Aufjuchzen − ein Feuerwerk der Gefühle, großartig, einfach mal anders.

Nordsee bei St.Peter-Ording

Diese Erlebnisse tragen wir noch tief in unserem Herzen, um mit ihnen nicht so prickelnde Momente leichter zu überstehen.
Unsere Pferde haben das Jahr gesund und munter hinter sich gebracht. Axel hat seinen 28. Geburtstag gefeiert. Paolo, der junge Araber, ist seit dem Spätsommer unter dem Sattel und macht sich ganz prima. Im Gelände geht er stolz und sehr fleißig vorne weg und seine Hüpfer halten sich noch in Grenzen. Auf dem Platz können wir noch nicht so viel… aber das wird kommen.
Jaco habe ich mental abgestellt (und auch ins Internet zum Verkauf). Er ist wirklich schwierig und braucht Zeit für zwei und dabei gibt es nur wenig Fortschritte, seine Gelassenheit betreffend. Wenn er bis Juni noch da ist, starte ich nach der Physio-Prüfung den „55.“ Neustart mit ihm. Ich bin froh, dass ich mich dazu entschieden habe, denn Paolo macht seine Sache gut und ist bestimmt im Frühjahr ganz gefestigt und für beide hätte im Herbst/ Winter die Zeit nicht gereicht.
So freuen wir uns auf den Frühling 2010 und das Erwachen des Wanderreit-Jahres mit vielen neuen und alten Freundschaften.

Peters Geburtstagsfest (der 50igste) − Juni 2008

Wenn man an einem Freitag, den 13. geboren ist, kann man das ruhig 50 Jahre später feiern!

 

Neues von den Youngstern − Mai 2008

Ab März begann für Jaco gemächlich der Einstieg zum Reitpferd. An der Longe hatten wir unerwarteter Weise einiges zu klären, bis er doch nachgab und folgsam seine Runden drehte. Das erste Probesitzen quittierte er nur mit einem „Ohren auf die Seite klappen“ und wackeligem Antreten. Aufsitzen und ein Stück führen ging zweimal gut, beim dritten Mal muss er sich vor was auch immer, erschrocken haben, und schnellte mehrmals wie ein Gummiball durch die Luft. Darauf küsste Peter den Boden und riss sich das Leistenband

Peter auf Jaco 1
Peter auf Jaco 2

So außer Gefecht gesetzt, bat ich einen Freund um Hilfe zum Weitermachen. Jaco war total angespannt und hat auch uns Fragezeichen auf die Stirn malen lassen. Mit viel Geduld wurde es langsam für ihn vertrauter. Leider bekam er dann dort eine schreckliche Kolik und musste in die Klinik. Wir dachten, er muss sterben, doch er kam über den Berg. Mit einer saftigen Rechnung, und ein gutes Stück „wertvoller“ brachten wir ihn wieder heim. Unsere Erkenntnis: wir hatten ihn falsch eingeschätzt, wir dachten, wir fangen mal mit dem einfacheren an − denkste. Jaco wirkt nach außen, wie die Ruhe in Person, doch innerlich ist er aufgewählt und stresst sich leicht. In vielen kleinen Schritten stieg das gegenseitige Vertrauen wieder und Peter ist so oft wie noch nie bisher, auf dem Reitplatz geritten. Jetzt geht er dort ganz lieb und auch im Gelände freut er sich und mit Führpferd kann er auch schon galoppieren. Leider bremsen uns grad die „Pferdebremsen“ und die Hitze etwas aus.

Neuer Belag im Auslauf − Januar 2007

Scheinbar war Peters Schmerzgrenze nach dem Bau der neuen Boxen noch nicht erreicht- oder vielleicht gerade deshalb, auf jeden Fall gab er den Start frei zum Belag wechseln im Auslauf. Der Sand war irgendwie müde geworden, die Pferde sahen nicht mehr schön aus nach dem Wälzen und weil Männer ja nicht so gerne putzen… Fast mühelos konnte der Belag entfernt werden, weil durch die darunter liegenden Gitterplatten eine klare Trennung ist. Jetzt ist wieder feinmotorisches Abmisten gefragt, denn der Preis ist um das Doppelte gestiegen! Eigentlich hatte ich keine Nuggetts bestellt, nur ein Holz-Abfallprodukt, worauf die Pferde laufen und sch… können. Doch die Hackschnitzelheizungen lassen die Preise explodieren. Die Pferde sind wieder glücklich und pflegeleicht. Unser fliegender Paolo ist natürlich gleich als Erstes in der Kurve gestürzt- griffig wird der Boden erst mit der Zeit.

Die Lieferung
wird noch kritisch getestet
…ausprobiert
und schließlich auch akzeptiert

 

Vier neue Außenboxen − Dezember 2006

In unserem Brief zum Jahreswechsel habe ich vom Wandel gesprochen. Als überzeugte Offenstallfans haben wir uns nun zum Bau von 4 Außenboxen entschieden. Josef Köninger aus Jagstzell, selbst Reitstationenbetreiber, hat den Stall nach unseren Vorstellungen geplant und korrekt jeden cm Fläche verbaut. Wir waren mit der Fa. Hermes aus Ilshofen sehr zufrieden. Die Ware kam zwar leicht verspätet, aber mit vielen, hoch motivierten Helfern aus dem Freundes- und Nachbarkreis, stand das Meiste an Weihnachten und war bezugsfertig zur Sylvesterfeier. D.h. die Pferde konnten es mit Pauken und Trompeten einweihen. Wir haben unser Glas Sekt zum Jahreswechsel vor dem neuen Stall getrunken und sind sehr stolz darauf.

 

Nur der befürchtete Schneefall blieb heuer ja aus und so konnte ich die Arbeitserleichterung gar nicht richtig erleben, so ohne gefrorene Pferdeäpfel abhacken oder fröhliches Äpfelsuchen im Tiefschnee. Egal, die Pferde fühlen sich wohl in den eigenen vier Wänden, nur Lerry bedauert seine einzuhaltende Diät… Einen kleinen Nebeneffekt sollen die Boxen zu Saisonbeginn noch haben. Ich kann nun mehr Pferde unterbringen und das wetterunabhängig.

Jaco und Paolo Frühjahr 2006

Wer Pferde sucht, und weiß, was er nicht will, hat viel zu suchen…

Meinen Jugendtraum hab ich mir erfüllt: Ein „Königliches Pferd“, ein Leutstettener- Junghengst, von seiner königlichen Hoheit Ludwig Prinz von Bayern gezogen. Leutstetten, am Starnberger See gelegen, ist mir schon seit Jugend an bekannt. Auf Wanderritten haben wir dort schon übernachtet- für mich sind die alten Stallungen ein Stück alter Heimat. Doch leider ist die Zucht nun bedroht, das Gestüt wird aufgelöst.

Jaco und Paco

Gyüitö, jetzt umgetauft in Jaco, brauchte noch einen Freund. Wir entschieden uns für den gleichaltrigen Vollblutaraber Paolo vom Gestüt am Wasserschloß bei Stuttgart. Paolo ist wunderschön, aber seine Nerven sind eben sehr dünn und er ist immer in Bewegung. Nach Hempflings Charakterstudien ist er eine „Taube“ und so ist er immer am Fliegen und sich präsentieren. Reitgäste fragen schon ungläubig: und den wollt ihr zum coolen Wanderreitpferd ausbilden??? Mal schaun ob cool, ansonsten halt schnell. Wir lieben halt die Herausforderung. Beide Jungpferde haben einen ehrlichen und liebenswerten Charakter und haben unsere Herzen bereits erobert. Die Zeit wird uns Gelegenheit geben, das Beste daraus zu machen.

Bilder von Jaco und Paolo im Frühjahr 2006

Bilder von Jaco und Paolo im Herbst 2006