Impressionen vom Galoppkurs am 1. Juni-Wochenende 2019

Impressionen vom Galoppkurs am 1. Juni-Wochenende 2019

Galopp, das ist heutzutage etwas Besonderes. Als Jugendliche haben wir es genossen, den Wind im Gesicht zu spüren, die Tränen liefen einem bei der Geschwindigkeit über die Wangen. Es hatte was von „frei sein“, die Kraft des Pferdes spüren, seinen Herzschlag zwischen den Beinen, durch zwei gespitzte Pferdeohren ins Weite fliegen…

Doch der Kontrollzwang ab Ü40 nimmt einem viel von der Freude. Oft ist noch gar nichts passiert, aber die Gedanken sind uns schon im Voraus. Was ist, wenn ich ihn da vorne nicht halten kann, Was ist, wenn er jetzt bockt, …in ein Loch tritt…sich vertritt…stolpert…meine Familie…mein Kind…meine Arbeit… Mehr lesen

Pilotprojekt „Reitbegleithund“ 2018 in Lohe bei Dinkelsbühl

Pilotprojekt „Reitbegleithund“ 2018 in Lohe bei Dinkelsbühl

Carola Smyreks Gedanken zum Pilotprojekt „Reitbegleithund“ 2018 organisiert von Petra Stegmüller, Kursleiterin Astrid Gründel (NRW), auf einer wundervollen Reitanlage in Lohe bei Dinkelsbühl „Reiterhof Fraunholz“

Meine Motivation an diesem Kurs teilzunehmen war:

Eine sehr ängstliche Hündin (Caddle Dog) und ein Pony (Lewitzer) der meinem Hund droht. Ein entspannte Ausreiten (wie man es sich wünscht) war nicht möglich. Also dachte ich mir: „an so einem Kurswochenende sieht meine Hündin ganz viele Artgenossen, die keine Angst vor ihrem großen Begleiter haben und verliert ihre Angst“. Da man gute Ausbildung nicht immer vor der Haustüre bekommt, entschloss ich mich an dem 130km entfernten Kurs in Mittelfranken teilzunehmen.

Wir waren 10 Teilnehmerinnen und ein Quoten Mann (Grinns) die meisten aus dem guten Jahrgang 1963, was uns alle schon sehr entspannte.

Die Atmosphäre zwischen den Zwei- und Vierbeinern war, dank der guten Tipps von unserer  Kursleiterin Astrid, ruhig und entspannt. Selbst auf kleineren Raum, z.B. bei den Theoriestunden, hatten wir die Hunde im Seminarraum dabei und es kam zu keinen Konflikten zwischen den Hunden.

Jedes Teilnehmer-Trio hatte mit anderen Problemen zu kämpfen. Astrid, unser Ruhepol, machte uns auf jede Kleinigkeit aufmerksam, ging immer geduldig und souverän auf die Teilnehmer ein.

Die Prüfung wollte ich zu Anfang gar nicht mitmachen, mir war das professionelle Training wichtig. Mein Mann motivierte mich jedoch einfach aus Spaß daran teil zunehmen und ich lies mich dazu überreden und: bestand!

Aber – ich beginne am besten von vorne und erzähle euch, wie wir das geschafft haben und wie wir trainierten. Zugegeben war es mein anstrengendste Monat – sowohl für mich, als auch für Maggie und mein Pferd Garfield. Am ersten Übungswochenende gewöhnten wir beim Spazieren gehen Hunde und Pferde einander zu respektieren und zu tolerieren. Im Schritt und Trab mussten wir ein s.g. Laufschema bewältigen, was für uns Menschen die größte Herausforderung war, dieses Schema fehlerfrei zu reiten. Unsere geduldige Astrid sagte es uns wieder und wieder (auch im Parcours) mit einer Engelsgeduld vor. Grundkommandos wie „Fuß“, „Hier“, „Sitz und „Platz“ sollte der Hund auch vom Fahrrad/Pferd gut ausführen. Eines der wichtigsten Kommandos bei einem Ausritt ist allerdings das zuverlässige „Warten- oder Bleib-Kommando” aus der Entfernung.

Mit dem Fahrrad lernten wir den Hund zu verlangsamen und etwas zu beschleunigen, denn wir sollten beim Wechsel durch den Zirkel im Trab den Hund nicht verlieren. Also rauf auf den Drahtesel und einhändig üben was das Zeug hält.

Als letztes Problem wäre dann noch das An- und Ableinen des Hundes auf dem Pferd zu nennen. Natürlich will man als Reiter nicht jedes Mal vom Pferd steigen, sofern der Hund an die Leine gehört. Genau deswegen sollte man dem Vierbeiner beibringen mit seinen Vorderpfoten zum Steigbügel oder Oberschenkel hochzukommen. Mit Hilfe unserer Astrid hatte auch dies bei jedem Teilnehmer-Trio geklappt (wenn das Pferd still stand).

Dieses übt man natürlich auch erst vom Boden aus mit einer normalen Männchen Übung. Klappt diese von unten aus gut, dann wird auch das Pferd (in unserem Fall ein Voltigier-Dummy) mit eingebunden. (was uns das Üben sehr erleichterte denn dieser Dummy bewegte sich nicht) und wir Menschen konnten uns ganz auf das Ab- und Anleinen konzentrieren.

Mit Hausaufgaben im Gepäck gingen wir auseinander um uns ein Monat später wieder zu treffen, für den zweiten Teil „dem Geländeritt mit Hund“.

Beim Wiedersehen, konnte man bei einigen Teilnehmer-Trios  Quantensprünge erkennen. Das Üben war erfolgreich und man merkte wie Mensch, Hund und Pferd zusammengewachsen waren.

Das „Laufschema“ in der Halle (ein Prüfungsteil) hatten nun alle fleißig gelernt. Unsere Hunde dabei Abzuleinen und das Schema nochmal im Freilauf abzureiten machte Spaß.

Vor dem Geländeritt hatten wir alle wieder unsere Bedenken, aber Astrid beruhigte uns und gab allen die Zuversicht dass kein „First Case“ eintritt.

Der ganze Kurs hat die Prüfung zum Reitbegleithund bestanden. (JUHU)

Das schönste Geschenk war eine Plakette für unsere Hunde mit dem Namen darauf und hinten der Schriftzug „VFD Reitbegleithund“.

Das „Gröbste“ habe ich nun gemeistert und das Ergebnis ist ein (meistens) braves Pferd und ein entspannt laufender Hund.

Mit Hund und Pferd gemeinsam und entspannt unterwegs zu sein, ist ein sehr schönes Erlebnis.

Mein Dank an Petra Stegmüller für die außerordentlich gute Organisation und dem Trainingshof bei Elfi Fraunholz, der uns durch seine Chill-out-Zonen die nötige Entspannung ermöglichte und das leckere Essen unsere Nerven beruhigte.

Vielen herzlichen Dank auch an unsere geduldige Trainerin Astrid Gründel und Prüferin Jutta Hahn, die uns am Prüfungstag nicht noch nervöser machten.

Geschrieben von Carola Smyrek

Reitbegleithunde: Billy der Junghund

Reitbegleithunde: Billy der Junghund

Leidvolle Erfahrungen: „Das habe ich mir anders vorgestellt!“

Nicht immer schenken uns die Tiere das einfache Miteinander, sondern stellen uns mit ihrem Charakter oder ihren Erfahrungen vor neue Herausforderungen.

Dieses „anders als vorgestellt“ versteckt ja auch die Chance, daraus zu wachsen, verkrustete Vorstellungen zu verlassen, umzudenken, neue Wege versuchen.

So ging es mir vor fünf Jahren mit Junghund Billy. Er wuchs bei uns am Hof und mit den Pferden auf. Immer war ich bemüht, dass er keine schlechten Erfahrungen macht. Dass er weder unter die Hufe, noch an den E-Zaun gerät. Nach 7 Monaten haben wir ihn das erste Mal am Pferd mitgenommen. Mein Mann ist geritten, ich habe mein Pferd anfangs geführt. Er lief brav nebenher, so bin ich auch aufgestiegen. Nach 15minütiger Glückseligkeit- aus der Traum. Das Pferd meins Mannes erschrak sich und pfefferte nach ihm aus. Schreiend lief der Hund davon, ich hinterher. Es ist ihm körperlich außer dem momentanen Schmerz nichts weiter passiert. Aber das Thema Reitbegleithund  hatte sich erledigt. Bei den Pferden am Hof und im Umgang hatte er keinerlei Stress, aber mit mir zum reiten, konnte ich vergessen. Ich habe alles versucht, Lieder singen, Gulasch füttern, und was einem nicht alles einfällt. Bin mit Pferd an der Hand losgewandert, hab ihn abgeleint und bin los geritten. Nichts: er saß da wie angewurzelt, er kam nicht nach, obwohl unsere „Bindung“ super war.

Tja, was will ich als Wanderreiter mit einem Junghund, der nicht mit geht? Es reicht ja schon, wenn man ab ca. 8 Jahren nach einer Lösung suchen muss, wenn ihm lange Strecken vielleicht nicht mehr leicht fallen. Meine Tränen haben ganze Fischweiher gefüllt, doch ich entschloss mich, ihn zu verkaufen. Ein superlieber, ausgebildeter Hund wird bestimmt eine tolle Familie finden. Im Internet fand ich schnell Interessenten. Doch dann rief eine Freundin an, die Labradore züchtet und auch reitet. Ihr trockener Kommentar dazu: „Nix wird da verkauft, so einfach ist das Leben nicht, Du brauchst nur Hilfe!“  Ich habe es mir wirklich nicht leicht gemacht und ich hätte auch nicht gewusst, welcher Wattebällchenhundsverein mir da helfen söllte….

Nun gut, ich bekam von ihr den Kontakt zu einer ebenfalls reitenden Hundetrainerin. „Bedingungsloser Leinengehorsam“ war der Schlüssel zum Glück, nach zwei Übungswochenenden war das Thema erledigt. Er hatte zwar die ersten Wochen keine Freude daran, das kam aber mit der Zeit. Nun begleitet er uns seit 5 Jahren täglich und begeistert beim ausreiten. Es sind manchmal die unspektakulären Sachen, die den Alltag zur Freude werden lassen: da reitet jemand und wird von einem freudig wedelnden Hund begleitet…

Meine Tiere zeigen mir, welches enorme Entwicklungspotenzial darin steckt, wenn etwas anders ist als vorgestellt. Eines funktioniert auf jeden Fall nicht: das Tier verbiegen zu wollen um es den Vorstellungen entsprechend passend zu machen. Wir müssen es annehmen, so wie es ist und UNS verändern. Uns, unser Wissen, unsere Vorstellungen.

Und ich muss es wollen, „Ja, aber…“ wäre einfacher gewesen, aber das sind wir halt nicht.

Absolute Besinnung im Einklang der Natur: Kräuter- und Tipi-Pfingstwochenende 2019 in Kühnhardt, Feuchtwangen

Absolute Besinnung im Einklang der Natur: Kräuter- und Tipi-Pfingstwochenende 2019 in Kühnhardt, Feuchtwangen

Kursnachlese von Jeanine B.:

Seit vielen Jahren gehören wir zur treuen Kundschaft von Petra Stegmüller. Diesmal überrascht sie uns mit einem neuen Kurs: Heilkräuterwanderung, Reitstunden, Tipi-Übernachtung, Extremtrail. Na wenn das nicht unseren Geschmack trifft 🙂

Was Petra noch so im Schilde führte, erfuhren wir dann aber erst später: indianische Rituale……..!

Das Tipi, die Rothäute, bunte Pferde, tanzen ums Lagerfeuer, ein Medizinmann, Kriegsbemalung, von links (oder war es rechts?) querende, Unglück bringende, schwarzen Katzen…was hat man nicht für eine blühende Fantasie und fühlen uns ein bisschen wie Winnetou…. Ob wir uns nun davon abschrecken lassen sollen oder die Anziehungskraft größer war, da waren wir uns glaub alle nicht so sicher.

Vor dem Tipi

Doch wer nicht offen und voller Vertrauen durch die Welt geht, kann nichts gewinnen! Mit skeptischer Vorfreude vertrauten wir uns Petra, Nicole und dem Tipi an.

„Was im Tipi gesprochen wurde, bleibt im Tipi“ – die wichtigste Regel von diesem Wochenende. Aber was soll ich sagen: ein WOW ist noch untertrieben! Keiner war darauf gefasst: diese Tiefe der Rituale und der Frieden danach.

Diese Gruppe von eigentlich flüchtigen Reitbekannten, die nun so zusammengewachsen ist und ganz neue Seiten am anderen kennt.

Die „klarere Sicht auf sein Leben und seine Wünsche“, die zur ein oder anderen, wichtigen, ganz persönlichen Entscheidung führte.

Aber von Anfang an:

Das Tipi steht in einer blühenden Wiese, nicht weit weg vom Waldrand. Nach einer herzlichen Begrüßung führt uns Nicole Menzel ein in die Rituale der Indianer und das Besondere des Tipis. Bevor wir das weiße Rund betreten, entzünden wir Salbei – räuchern uns, um unser Energiefeld zu reinigen und um uns von Gedanken zu befreien, die wir nicht mehr brauchen. Danach danken wir mit gemeinsamen Gesang und in Stille: Danke, für das uns schützende Tipi, die nette Gemeinschaft, das wärmende Feuer und vieles mehr.

In diesem geschützten Rahmen fällt es uns leicht, uns kurz vorzustellen und eine Frage zu formulieren, die wir auf dem Weg im Wald klären wollen.

Wir gehen hinaus, bauen uns unsere Schwelle und gehen hinüber in unser ganz persönliches Traumland. Wir sind unsere eigene Grenze, es wird Zeit sie zu überschreiten…

Gedankenverhangen kehren wir zurück zum Tipi und nehmen uns erst mal eine Pause – es gibt Gemüsesuppe vom Feuer – lecker!

Es ist schon dunkel, aber nun berichten wir von unserer Reise, dem Gesehenen, Gehörten oder unseren Gedanken dabei. Für uns klingt alles verwirrend, doch Nicole reflektiert uns dies, lässt unsere Worte anders klingen, das Geschehende logisch erscheinen und unser eigenes Potential wieder neu leuchten.

Wir sind erstaunt und berührt über die empfangenen Antworten und legen uns Schlafen – es war ein anstrengender Tag. Jeder lauscht den Geräuschen der Nacht, dem Atem seines Gegenübers, den Träumen des Hundes, der uns liebevoll bewacht. Wir schlafen tiefer und länger als gedacht und werden vom Frühstücksservice geweckt. Beim Frühstück genießen wir die frühlingsgetränkte, weitläufige Landschaft, die Morgensonne, die mystische Streifen am Horizont zaubert und das Quaken der Frösche am See.

Wir räuchern uns nochmals mit Salbei und gestärkt brechen wir nun zu unserem Heilkräuterspaziergang auf. Als studierte Fachfrau bleibt uns Nicole bei keiner Frage eine Antwort schuldig. Um die Rituale abzuschließen und in der „wirklichen Welt“ wieder anzukommen, schließen wir die Wanderung mit Gesang und Danksagungen ab.

Mit viel Freude und Kräutern im Gepäck kommen wir zurück zum Stall und verbacken die Kräuter zu einer von Petra vorbereiteten, schmackhaften Quiche.

Tja, und dann werden wir wieder zu Reitern. Die Pferde freuen sich, uns wieder zu sehen. Petra gibt uns motivierende Reitstunden und hilft uns damit wieder weiter auf unserem Ausbildungsweg. Wer seine Gedanken weiter abgeben wollte, konnte mit Peter über die abgemähten Wiesen fliegen…

Der krönende Abschluss des Wochenendes war dann die Fahrt zum Extremetrail nach Sachsbach, wo sich sämtliche Glücksgefühle übertrumpften. Ob am Boden oder hoch zu Ross, viele Hindernisse wurden mit Bravour gemeistert und auch viel gelacht über den ein oder anderen Fauxpas. Wir hatten so Spaß und sind so glücklich – was haben wir für tolle, vertrauensvolle Pferde!

Unser Tipp an die ewig Zweifelnden: Leute seid mutig, lasst euch auch mal auf was Anderes ein. Nur wer wagt, der gewinnt!

Uns haben die Tage in der Natur wieder Energie tanken lassen und für eine kurze Zeit die Freude, Freiheit, Mut und Lebendigkeit der Kindheit zurückgebracht! Und dem Einen oder Anderen hat es wirklich geholfen, eine gravierende Entscheidung zu treffen!

Vielen Dank liebe Petra, dass Du uns ins kalte Wasser geschmissen hast- das Wochenende kam zum richtigen Zeitpunkt! Danke, dass du den richtigen Riecher hattest und uns diese Möglichkeit gegeben hast. Danke für deine Freundschaft!

Übrigens: Schwarze Katzen tauchten nicht auf, dazu waren wir alle viel zu geerdet!

Saisonauftakt Wanderreiten 2019

Bei herrlichem Wetter starteten wir mit Sternritten in das Training zum Wanderreiten. Die Pferde hatten noch zum Teil ihr Winterfell. Darauf haben wir mit den Strecken reagiert. Je gute 15 km am ersten und letzten Tag und ein 30km Tagesritt am zweiten Tag waren gut zu schaffen.

Die Pferde liefen zwar hochmotiviert in der Gruppe, waren aber super an ihrer Position zu halten. Auch die Mädels hatten viel zu erzählen und lachen, da waren die Nächte kurz. Es wurde mir wieder bewusst, wie schön wir es hier haben. Es genügt wirklich den Blickwinkel zu ändern, die Sichtweisen der anderen zu überdenken. Wie schön, dass bei uns nix “los” ist, man kann drei Tage reiten und begegnet niemandem. Traktorfahrer, Busfahrer u.a. bremsen noch freundlich ab und winken uns zu. Die Wiesenflächen sind bereits grün, die Obstbäume haben pralle Knospen und erblühen wohl demnächst. Die ersten Schafe und Rinder hüpfen auf den Weiden. Wir machen Pause am Karpfenweiher. Der Storch stakelt durch die Wörnitzaue oder thront auf den Dächern der Stadt. Abends erfreuen wir uns an Köstlichkeiten in bezahlbaren Gasthäusern. Bummeln durch Dinkelsbühl mit seinem Puppenhausambiente, erfreuen uns an den Fachwerkkulissen. “Ach Gott, ist DAS schön hier”, hören wir als Refrain der Tage. Da habt ihr Recht, ich hätte es fast(über den Winter) vergessen. Schön, dass ihr da wart, jetzt weiß ich es wieder!

Wanderritte im Spessart und der fränkischen Schweiz

Wanderritte im Spessart und der fränkischen Schweiz

Beide Landstriche, der Spessart und die fränkische Schweiz, hatten für uns den gleichen Anreiz: viele hellgrüne Buchenblätter im frühlingshaften Sonnenschein. Daher führten uns unsere Wanderritte 2018 in den Spessart und die fränkischen Schweiz.Reiten im Wald

Ich liebe es im Wald zu sein. Diese Stille- obwohl, wenn man die Ohren spitzt, hört man  Bienen summen, andere Insekten surren, Vögel ein Konzert anstimmen. Es ist eben eine andere Stille, irgendwie organisch, wenn man das Rauschen der Blätter in den hohen Kronen Wiesenreiterdazu nimmt, oder das Rascheln im Unterholz, wenn sich ein noch nicht erkennbares Tier gestört fühlt.

Auch wenn man in der Gruppe reitet, gibt es Momente wo jeder schweigt. Dann fallen die abgehobensten Gedanken aus dem Karussell. Eine Mitreiterin ruft: „schaut mal, wie das Licht durch die Bäume fällt und welche Muster es am Boden malt. Und wie unterschiedlich Grün das alles ist, Moospolster, Preiselbeeren, Tannennadeln…“ Mehr lesen

Kühnhardts neuer Hahnenbaum

Am 1. Mai 2018 fand wieder ein großes Fest im Dorf statt. Üblicherweise stellt man da ja den Maibaum auf- in Kühnhardt ist es der “Hahnenbaum” (früher tanzte man dabei “einen Gockel” aus). Nach fünf Jahren wurde der Alte nicht nur unansehnlich, sondern vor allem morsch und damit gefährlich. Unser Dorf pflegt noch in Vielem seine Traditionen und so wurde auch hier Manneskraft anstatt Technik (Kran) eingesetzt. Stolz trugen die 30 kräftigen Männer, die 25m hohe, reich geschmückte Fichte zum Dorfplatz. Mit Stangen (sogen. Schwalben), Spießen und der klaren Ansage des Zimmerermeisters wurde nach 2 Stunden der Baum in die Erde gesetzt. Die leichte Brise entwickelte mit der Höhe des Baumes ganz schöne Kräfte. Dann wurde feierlich die Chronik von Kühnhardt vorgelesen, um den 250 Zaungästen auch das Wahrzeichen unseres Ortes-den Schlegel- zu erklären. Der alte Eichenknörz stammt von 1784 und wurde da von den “Herren von Kreßberg” als Zeichen des Vergleichs gestiftet. Es ging dabei um die Weiderechte rund ums Dorf. Mehr dazu und ausführlicher könnt ihr auf meiner Site unter Chronik von Kühnhardt nachlesen. Bei strahlendem Sonnenschein fand der gelungene Tag auf der Bierbank seinen Abschluss.

Von Demut und Rollkur

Im Spätherbst 2017 strampelte die „Dressurqueen“ IW verbissen durch die sozialen Netzwerke. Es wurden die gewonnenen Prüfungen gezeigt, aber auch das mutige Rollkur- Abreiten in der Öffentlichkeit. Dann sah ich sie in einem Interview, wo sie mehrmals von Demut und Partnerschaft mit dem Pferd spricht. Ich konnte da keinen Zusammenhang mit den Videos herstellen. Wie kann man in Demut seinen Partner quälen? Vielleicht habe ich ein falsches Verständnis zu Demut. Ich hinterfrage den Begriff. De und Mut müsste ja: nicht mutig heißen. Aber muss man nicht mutig sein, wenn man von Demut spricht? Man findet auch Hochmut bzw. Arroganz als Gegenpol zur Demut. Das passt für mich besser. Mehr lesen

Rückblick 2017

Liebe Freunde und Gäste des Hauses,

pünktlich zum ersten Advent legte sich bei uns ein weißer Schneemantel über die Fluren und verzauberte die Landschaft. Es ist jedes Jahr eine Freude. Ob Mensch, Pferd oder Hund, alle hüpfen und lachen zwischen den Flocken.

Es ist der Moment, wo ich das lästige Hufschuhsuchen vergesse und mich erst kürzlich daran erinnerte, wie wir bei dem Wetter noch vor 5 Jahren Angst hatten, die Pferde fallen am Paddock schon über ihre aufgestollten Stöckelschuhe. Von den Eisklumpen beim reiten ganz zu schweigen. Oder die Überlegung: Schneegrips jetzt schon rein oder erst beim nächsten Beschlag.

Ich hoffe, ihr seid alle gesund und munter durch das Jahr gekommen? Viele von euch haben wir ja persönlich bei uns begrüßt. Wir freuen uns über jeden Einzelnen, egal ob Stammgast, Neuling oder “Wiederauferstandener”. Es ist schön, mit euch in Verbindung zu sein.

Unsere Pferde haben den letzten Winter nicht so gut weggesteckt. Als es mir bewusst wurde, war es schon zu spät. Ich habe zur Ursachenfindung viel Geld ausgegeben: Blutanalysen, Kotproben, Pferdezahnarzt, Selen, Zink und Gladiator. Es waren aber weder die Zähne noch Würmer – es war einfach das zu spät geschnittene Heu. Im Juliheu finden Vollblüter einfach zu wenig Energievorräte. Als die Weidezeit losging, war auch in drei Wochen wieder alles so schön wie sonst.

Bei der Blutprobe bekam ich auch Lerrys Diagnose ECS. Stoffwechselendlage war mir bewusst- aber ein Cushingpferd wollte ich nicht. Nun gut, wir haben uns informiert und beraten und mit hochdosiertem Mineralfutter und einem Mönchspfefferpräparat konnten wir eine verblüffende Verbesserung feststellen. In diesem Rahmen habe ich mit ihm die Equikinetic begonnen. Es ist ewig schade, dass ich keine vorher-nachher Bilder gemacht habe. Ich habe auch nicht mit dieser Wirkung gerechnet. So lernt man dazu- leider ja immer durch die Lehrmeister, unsere Pferde und ihre Besonderheiten.

Unsere Saison begann Mitte März mit dem beliebten Kappzaumtraining. Strahlender Sonnenschein begleitete uns hier, wie auch bei den weiteren Angeboten, wofür ich als Freilandtrainer sehr dankbar bin.

Als die Mücken uns ruhigere Tage bescherten, fuhr ich wieder ein paar Tage zu Tanja Richter vom IPP und lernte was über die Manuellen Therapiemöglichkeiten an den Vordergliedmaßen. Sehr interessante Griffe und Zusammenhänge wurden geschult. Die Heimfahrt verband ich mit ein paar Kundenbesuchen, wo ich das Erlernte gleich ausprobieren konnte. Ich habe so eine Freude damit!

Pferde-Physiotherapie, externe Kurse und Wanderritte führen mich durch so schöne Landstriche in Süddeutschland. Es ist immer wieder erstaunlich, welch idyllische und auch unberührte Ecken unser Land hat. Es liegt an uns und unserem Bewusstsein diese zu erkennen UND zu erhalten.

Gut entwickelt hat sich mein Bemühen um die Reitbegleithundeausbildung in der VFD. Ich habe sogar Telefonkonferenzen gelernt UND auch schätzen gelernt. Doch wirklich schön war dann das persönliche Kennen lernen des Arbeitskreises. Wir haben wirklich was auf die Beine gestellt und werden das nächstes Jahr auch durchführen. Irgendwie hat mich eine Dame im Internet gefunden und ich wurde eingeladen, diese Ausbildung im Rahmen der Consumenta in Nürnberg vor zu stellen. Ich hatte mit Heike und Leni zwei erfahrene Reiter mit guten Hunden, die mir das erzählen leicht machten. Wir waren allesamt zufrieden.

Etwas nachdenklich stimmte mich doch zeitgleich die Sportreiterszene in Halle 11. Faszination Pferd ist der Slogan – ja wirklich, es ist faszinierend was Pferde über sich ergehen lassen. Egal ob im nächtlichen Showprogramm oder in den laufenden Prüfungen. Schäumende, schwitzende, pumpende Pferde mit aufgerissenen Augen oder bereits resigniertem Blick. Sportgeräte, deren Lebensinhalt aus Reithalle, Turnierplatz und Pferdebox besteht! Dafür gibt es und wird es nie eine Rechtfertigung geben!!

In den sozialen Netzwerken gipfelte es für mich über, als die angebliche Dressurqueen IW in einem Interview von Partnerschaft und Demut spricht. Es folgen Videos wie sie in Demut ihren Partner Pferd am Abreiteplatz in Rollkur quält, um Stunden später strahlend und mit Tränen am Siegerpodest zu stehen.

Wie kann man in Demut seinen Partner quälen? Vielleicht habe ich ein falsches Verständnis zu Demut. Ich hinterfrage den Begriff. De und Mut müsste ja: nicht mutig heißen. Aber muss man nicht mutig sein, wenn man von Demut spricht? Man findet auch Hochmut bzw. Arroganz als Gegenpol zur Demut. Das passt für mich besser.

Ich finde ein Zitat von Kurt Albrecht:

“Als wichtige Charaktereigenschaft sollte jeder Reiter über ein Quentchen Demut verfügen, das ihn befähigt, im richtigen Augenblick auch einmal von seinem menschlichen Podest herabzusteigen und in das Pferd hineinzuhorchen. Wer sich dagegen jede Frage selbst beantworten kann, wird für jedes Nichtgelingen eine in seinen Rahmen passende Erklärung parat haben.”

Jeder der schon ein junges Pferd ausgebildet hat, lernte dabei, dass man nichts als selbstverständlich annehmen kann. Und wer glaubt, dass er schon viel weiß, wird zu einem Pferd kommen, das ihn lehrt sich zu bescheiden und einfach mal zurückzunehmen. Das System 0-8-15 passt hier vielleicht nicht, man muss die bisherige Ausbildung innerlich loslassen und reflektieren. Der Blick auf sich selbst ist unbequem und tut oftmals weh.

Und da gehört schon eine Menge Mut dazu, sich in Demut zu üben.

Jedes neue Gedankengut (das kann auch ruhig ein “Altes” sein, da muss kein neuer Guru her.) bietet Chancen. Man wird dabei Fehler machen und das darf auch so sein. Wichtig ist nur, dass man das Getane überdenkt. Nichts zu tun, sich nicht zu trauen, die Schuld woanders zu suchen (Kindheitstrauma als Fohlen, Krankheiten die da sein könnten oder hoffentlich bald kommen, fehlende Infrastruktur, Knechtschaft des Reitersitzes) ist aber auch keine Lösung. Bei einem Lebewesen wie dem Pferd, das konsequente Führung braucht, wird ein “Nichtangriffspakt” zu neuen Konflikten führen. Das Pferd spürt, wenn man sich “verstellt” oder nicht in sich selbst ruht. Präsenz ist in dem Zusammenhang auch ein mächtiges Wort. Da muss man als Besitzer schon mal seine Komfortzone verlassen oder sich eben eine kompetente Hilfe suchen.

Da die Pferde bekanntlich im Hier und Jetzt leben, sind sie meist auch nicht nachtragend. Sie nehmen jede Verbesserung ihrer Situation dankbar an. Es ist also selten zu spät, sich für Umwege zu entscheiden.

Diese Gedanken finde ich in folgendem Zitat von Nuno Oliveira schön zusammengefasst:

“Ein so kostbares Wesen wie das Pferd verdient, dass jeder, der es reitet, sein Wesen und seine Fähigkeiten erfasst. Reiten ist eine Schule von Verzicht und Demut. Unter guter Anleitung führt ihre Praxis zu einer höheren Stufe des Menschseins.”

Reiten heißt demnach nicht, vor Publikum nach Erfolgen zu haschen.

Reiten ist für mich der Dialog mit dem Pferd in der Abgeschiedenheit, die Bemühung um gegenseitiges sich Verstehen (die Frage nach dem “Warum”) und um Verbesserung.

Ich muss Verantwortung und Sorgfalt übernehmen, im Natur- und Tierschutz.

Wissen, positives Denken und Respekt gegenüber dem Partner Pferd sind die Schlüsselwörter dazu. Damit wäre allen geholfen. Vor allem den Pferden.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen, ein 2018 in dem Entspannung und Wohlbefinden beim und mit dem Pferd immer mehr Raum haben.

Kurs longieren

Kurswochenende Rückentraining mit dem Kappzaum mit Petra Stegmüller.

Als VFD Wanderrittführer und Longiermuffel meldete ich mich zu einem zweitägigen Kurs zum Rückentraining mit dem Kappzaum bei Petra Stegmüller in Kühnhardt, Mittelfranken an. Große Lust und Neugier bekam ich durch den tollen Bericht “Fit und gesund durch Longieren” in der aktuellen Ausgabe Pferd & Freizeit 2017 / 1.

Mit eigenem Pferd war der Kurs leider schon ausgebucht (keine Gastboxen mehr frei), aber Petra versprach mir Jimmy, eines ihrer Pferde, für den Kurs zu geben und so machte ich mich am 10. März bei schönstem Vorfrühlingswetter auf die Socken nach Kühnhardt. Am Abend lernten sich bereits alle Teilnehmer kennen, mit dabei waren Tatjana Pittroff mit Wasabi-Haflinger, Sandra Haseneder mit Nando – Haflinger, Sina Maurer mit Carlo – Warmblut, Silke Hartmann mit Aisha – Reitpony, Simone Winter mit Merlin – Welsh-Cob und ich mit Jimmy – Hafi-Mix von Petra.

Erster Kurstag

Nach einer kurzen theoretischen Einführung treffen sich alle Teilnehmer mit ihren Pferden auf dem Reitplatz zum Aufwärmtraining an der Hand. Wir mussten die Pferde z.B. in Stellung führen oder übertreten lassen. Anschließend wird jedes Pferd einzeln von seiner Besitzerin unter kompetenter Anleitung von Petra auf dem Zirkel mit Kappzaum longiert. Sehr schnell erkennt Petra die jeweiligen Baustellen der Pferde und geht präzise auf diese ein.

Jeder Longierer sollte mit Ruhe und der nötigen Energie mit seinem Pferd korrekt in einem fleißigen Tempo in Innenstellung im Schritt und Trab arbeiten. Dabei spielt das Mitgehen des Longierers eine wichtige Rolle, um besser auf das Pferd eingehen zu können. Bei dieser Arbeit werden Pferd und Longierer höchste Konzentration abverlangt. Nach ca. 20 Minuten intensiver Gymnastik pro Pferd wird das Training beendet.

Durch Zuschauen das Auge schulen! Besonderen Wert legt Petra auf das Schulen des eigenen Auges beim Zuschauen. Mit guten Erklärungen zeigt sie uns, wie und woran man erkennt, ob ein Pferd Rechts- oder Linkshänder ist, gut oder schlecht unter den Schwerpunkt tritt oder auf die Schulter fällt. All dies ist wichtig zu erkennen, um gesundheitliche Schäden beim Pferd vorzubeugen, zu minimieren oder auszugleichen. Als mitlaufender Pferdeführer bemerkte ich, wie schwierig es ist, sich absolut auf die richtige und für das Pferd gesunde Stellung, Biegung und das richtige Tempo zu konzentrieren und dabei auf Schwung, Takt und Losgelassenheit zu achten, ohne dabei über die Longe zu stolpern.

Karpfen und Stichpimpuli

Nach einem intensiven Kurstag entführte uns Petra in ein traditionelles Wirtshaus in Feuchtwangen. Dort konnte man u.a. heimischen Karpfen aus der Region genießen und in geselliger Runde den Tag Revue passieren lassen. Anschließend gab es noch ein besonderes Betthupferl, Stichpimpuli – Kräuterlikör für schöne Träume.

Zweiter Kurstag mit Körperband-Arbeit

Man nehme zwei bis drei elastische Bandagen, die man den Pferden normalerweise um die Beine wickelt und fertig ist das Körperband. In einer acht, mit Knoten verbunden um Vor- und Hinterhand gewickelt soll es die Hinterhandaktivität verbessern. Sehr interessant ist zu beobachten wie Nando der Haflinger, der am Vortag etwas schlurfig ging bemerkte, dass er zwei Hinterbeine hat und diese fleißig in Bewegung setzte. Merlin der Welsh-Cob, der zur Hektik neigt, wurde sichtlich ruhiger, ausgelöst durch die Berührung der Bänder, die offensichtlich die Bewusstheit des Körpers wirksam und sehr pferdefreundlich unterstützen.

Mein Fazit

Wie macht man aus einem Longiermuffel einen begeisterten Longierer? Mit einem Kurs, der sehr gut strukturiert ist und mit der richtigen Dosis kompetent geleitet wird. Vielen Dank, ich habe viel gelernt! Besonders gut hat mir gefallen, dass mehr Wert auf die praktischen Übungen gelegt wurde und die nötige Theorie in die Praxis mit einfloss. Es hat großen Spaß gemacht mit gleichgesinnten Menschen in gemütlicher privater Atmosphäre zu lernen. Den Kurs “Rückentraining mit dem Kappzaum” mit Petra Stegmüller kann ich sehr empfehlen.

Andrea von Kienlin